Eine Person mit langen Haaren wird von mehreren Menschen in schwarzen Anzügen und weißen Masken umgeben. Die Szene ist in schwaches, blaues Licht getaucht, wodurch eine dramatische Stimmung entsteht. Die umgebenden Personen greifen sanft nach der Hauptperson, die eine nachdenkliche oder verletzliche Haltung einnimmt.

Bericht zur Aufführung „Wegsehen ist keine Option“

Wegsehen ist keine Option – ein markanter Spruch. Doch was verbinden junge Menschen eigentlich mit dem Begriff „Zivilcourage“? Auf szenische Suche gingen am 27. und 28. April 2026 die jugendlichen Spieler*innen des Theaterkurses der zehnten Klassen unter der Leitung von Yasemin Cec im Forum des Gymnasiums Rahlstedt.

Ausgehend von dem „Fall“ der 23-jährigen Lehramtsstudentin Tuğçe Albayrak, die 2014 in Folge eines Streits auf einem McDonald´s Parkplatz nach einem Schlag ins Koma fiel und aus diesem nicht mehr erwachte, wurde das scheinbar abstrakte Thema der Zivilcourage sehr anschaulich. Das lag zudem daran, dass die Mutter und der Bruder der jungen Frau unter den Gästen und Rednern waren. An die 400 Zuschauer*innen, unter ihnen auch zahlreiche Vertreter*innen der demokratischen Parteien, Aydan Özogus, Astrid Hennies und Markus Ziebegk, sowie Vertreter*innen der türkischen Gemeinde Hamburg verfolgten die Dankesrede des Bruders, Doğuş Albayrak, im Forum des Gymnasiums Rahlstedt, der sich besonders für die Wertschätzung und Auseinandersetzung mit dem Schicksal seiner Schwester bedankte und daran erinnerte, dass dieses keine Selbstverständlichkeit sei, sondern ein Zeichen einer funktionierenden Demokratie.

Dank gab es auch für die Förderung des Projektes durch den Projektfonds Kultur & Schule, welcher die besondere künstlerische Arbeit des Kurses mit dem Musiker Michael Reffi ermöglicht hat.

Was war in der siebenmonatigen Arbeit entstanden? In der eineinhalbstündigen Inszenierung zeigten die jugendlichen Akteure unter der Spielleitung von Yasemin Cec beeindruckend und auf den Punkt sowohl schauspielerisch und sängerisch Szenen, die den Zuschauer*innen keine einfachen Antworten boten. Durchgängig fragten sich die Spieler*innen, wie man denn mutig sein könne, was man selbst gemacht hätte und warum die Geschichte von Tuğçe so nah ginge.

In der szenischen Annäherung wurden weitere Schicksale und Opfer genannt, der Kreis weiter gespannt, Statistiken ausgewertet, Definitionen geliefert. Die Schüler*innen diskutierten, recherchierten und klärten auf. Ein intensiver Prozess, der die Problematik des Themas der Zivilcourage belegte, denn einfache Antworten gebe es nicht – keine Superheld*innen oder „goldene Handlungsregeln“. Ein schweres Thema wurde durch die Musik von Michael Reffi „leichter gemacht“ – dabei gelang es, sehr nah an der Lebenswelt der Schüler*innen zu bleiben.

Die Gestaltung des Bühnenbildes übernahmen die Schüler*innen des Kunstkurses von Carolin Kreismer und bauten ein überdimensionales Bett. Auf eindrucksvolle Weise diente ein Bild Tuğçes als Hintergrund; Projektionen unterstützen das Geschehen.

Am Ende war es mehr als ein Theaterabend, es war ein Theaterfest, das alle Zuschauer*innen nachhaltig beeindruckt und nachdenklich gemacht hat. Die schulische Vorstellung am kommenden Tag ermöglichte der weiteren Schulgemeinschaft einen Einblick in die Arbeit der Schüler*innen, deren Appell letztlich war, mehr Empathie zu zeigen – mehr hinzugucken – denn wegsehen ist keine Option.

Ein Bericht von Anke Buchholz

Fotos: Sonja Prahl