Ein mutiges Projekt – Fliegengelächter
Das Schultheaterstück „Fliegengelächter“ oder Schön fröhlich bleiben“, erarbeitet von SchülerInnen der 10. Klasse unter der Leitung von Antje Kirchbauer, ist ein bemerkenswert mutiges Projekt.
Im Zentrum des Stücks steht eine düstere, dystopische Vision: Jugendliche geraten in eine Unterwelt, in der sie durch Gewalt, Disziplin, religiösem Fanatismus und gezielte Erniedrigung „umerzogen“ werden sollen. Schlagstockeinsätze, verbale Härte und ein strenges System der Kontrolle prägen diese Welt. Für das Publikum ist diese Darstellung schwer auszuhalten, da sie kaum Distanz erlaubt und die Zuschauenden emotional unmittelbar konfrontiert. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch die sogenannte Oberwelt keineswegs ein sicherer Ort ist – soziale Vereinsamung, Alkoholmissbrauch und alltägliche Gewalt zeichnen ein ebenso bedrückendes Bild.
Gerade in dieser Gegenüberstellung liegt die Stärke des Stücks: Es zeigt, dass es keinen einfachen Ausweg gibt. Weder Flucht noch Anpassung führen zu einer echten Lösung. Besonders hervorzuheben ist der Mut der jungen DarstellerInnen, komplexe und belastende Themen wie Gewalt, Gruppenzwang, sektenähnliche Strukturen und soziale Isolation offen anzusprechen. Diese Themen sind alles andere als leicht zugänglich – umso beeindruckender ist es, wie ernsthaft und konsequent sie umgesetzt wurden.
Kritisch zu betrachten bleibt jedoch die im Stück angedeutete „Lösung“: Die Eskalation bis hin zur beinahe tödlichen Gewalt gegen den Sektenführer wirkt problematisch und lässt die Frage offen, ob Gewalt hier nicht lediglich durch Gegengewalt ersetzt wird. Eine echte Perspektive jenseits dieser Spirale bleibt zunächst aus.
Und doch endet „Fliegengelächter“ nicht in völliger Hoffnungslosigkeit. In einem leisen, beinahe traumartigen Moment deutet sich eine andere Möglichkeit an: zwischenmenschliche Nähe und Liebe. Wenn Tankred am Ende sagt: „Mama, ich gehe duschen, ich möchte dir jemanden vorstellen“, wirkt dies wie ein vorsichtiger Schritt zurück ins Leben – ein Bruch mit der Dystopie, der Raum für Hoffnung lässt.
Insgesamt ist „Fliegengelächter“ ein unbequemes, aber eindrucksvolles Theatererlebnis, das zeigt, wie viel Tiefgang und Ernsthaftigkeit in schulischen Projekten stecken kann.
„Finsterster Ort, kein Sternengefunkel,
nur dunkelste Wand.
Doch strahlend im Dunkeln dein silbriges Wort.
Komm, gibt mir die Hand.“
Ein Bericht von Anja Heiligtag
Fotos: Anke Buchholz









