Eine Gruppe von Menschen steht auf einer Bühne. Einige Personen sprechen oder interagieren miteinander, während andere aufmerksam zuhören. Die Szene findet in einem dunklen Raum statt, der von Bühnenlichtern beleuchtet wird. Die Menschen tragen verschiedene Kleidung und wirken engagiert in ihrer Darbietung.

Ein guter Mensch hinterlässt Spuren

„Verändere die Welt, sie braucht es.“ Bertolt Brecht hat diesen Satz seiner Shen Te in den Mund gelegt und man kann nicht umhin, beim Zuschauen zu denken: Manche Menschen tun das tatsächlich. Leise, beharrlich, Jahr für Jahr.

Brechts Der gute Mensch von Sezuan ist kein leichtes Stück. Es fragt, ohne letztlich eine Antwort zu geben, ob ein Mensch gut sein kann in einer Welt, die das nicht zulässt. Die Tabakwarenhändlerin Shen Te, von drei Göttern mit etwas Startkapital und großen Erwartungen ausgestattet, erfindet sich kurzerhand einen harten Vetter namens Shui Ta, um zu überleben – und verliert dabei fast sich selbst. Die Hauptdarstellerin überzeugte dabei das Publikum mit viel Charme und Spielfreude, sodass man ihr die Rolle der herzensguten Shen Te bereitwillig abnahm.
Dass aus diesem Stück nicht einfach nur ein Lehrstück geworden ist, dafür sorgte der Theaterkurs der Klasse 11 unter der Leitung von Anke Buchholz. Die Darsteller:innen machten viel mehr etwas Erstaunliches daraus: eine unterhaltsame, leichte Inszenierung. Die Spielerinnen und Spieler fanden einen ironischen Abstand zum Material, nicht weil sie das Stück nicht ernst nahmen, sondern weil sie ihm mit Leichtigkeit begegneten. Brecht wollte, dass das Publikum denkt statt fühlt, hier durfte es beides: nachdenken und lachen.
Zum Gelingen trug eine fein ausgewählte und abgestimmte Ausstattung bei. Die Kostüme trafen genau den richtigen Ton zwischen Milieu und Märchen, das Bühnenbild war liebevoll durchdacht. Besonders stimmig auch die Musikauswahl. Der Auftakt mit „Ein Tag wie Gold“ aus Babylon Berlin sorgte sofort für eine Atmosphäre, die dem Stück schwungvoll die Richtung wies. Eine Party im Späti 030 – untermalt mit dem Song „Glücklich in Wyoming“ – später war klar: Sezuan liegt irgendwo zwischen Rahlstedt und Nirgendwo – und das Ensemble hat genau dort seinen Spielort gefunden.
Dann fällt der Vorhang. Auf der Bühne hat sich nichts geändert: Shen Te steht noch immer vor denselben unlösbaren Fragen, und die Welt dreht sich weiter. Doch im Zuschauerraum hat sich sehr wohl etwas verändert – man geht anders heraus, als man hineingekommen ist. Genau das ist Theater. Und Brecht lässt das Stück nicht ohne einen letzten, charakteristischen Seitenhieb enden: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Ja, und genau das bleibt. Die Fragen. Und die Spielfreude, mit der dieser Abend sie gestellt hat.

Eine Frage allerdings bleibt nicht offen: Der Vorhang ist ein letztes Mal gefallen für die Spielleitung Anke Buchholz – unsere geschätzte Theaterfachleiterin. Was sie hinterlässt, lässt sich nicht in einer Kritik fassen. Aber vielleicht in einem einzigen Satz: „Verändere die Welt, sie braucht es.“ Du hast es getan. Danke, liebe Anke!

„Wir glauben fest, dass sich unser guter Mensch auf der dunklen Erde zurechtfinden wird.“ (B. Brecht)

Ein Beitrag von Antje Kirchbauer

Fotos: Anke Buchholz