Veränderung - Zweite Vorstellung heute, Dienstag 24.02.26 um 18 Uhr im Atrium
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Metamorphose – Eine unvergessliche Verwandlung
Eine Stückentwicklung des S4-Theaterkurses von Frau Heiligtag
- Februar 2026. „Manchmal ist der größte Kampf nicht gegen die Welt, sondern gegen die Version von dir, die dich zerstört … und Freiheit nennt!“ – Dieser Satz bleibt hängen. Er fasst zusammen, was Metamorphose so eindringlich macht: Der Kampf mit sich selbst, mit Erwartungen, Ängsten und inneren Stimmen, die uns antreiben, aber auch zerstören können.
Der S4-Theaterkurs von Frau Heiligtag nimmt das Publikum mit in eine Welt zwischen Traum und Wirklichkeit, in der Identität ständig im Wandel ist. Immer wieder hört man den abgewandelten Anfangssatz aus Kafkas Die Verwandlung als Leitmotiv durch den Raum: „Als ich heute Morgen aus unruhigen Träumen erwachte …“. Realität und Traum verschwimmen. Gedanken kreisen. Innere Konflikte werden sichtbar. Die Stückentwicklung verwebt biografische Elemente der Schauspielenden mit einzelnen Sätzen aus Kafkas Brief an den Vater und Die Verwandlung. So entsteht ein fragmentarisches Geflecht aus Gedankensplittern zur eigenen Veränderung.
Im Zentrum des Stücks stehen die inneren Kämpfe junger Menschen. Sie sind zwischen Chaos und Kontrolle, Rausch und Selbstdisziplin, dem Wunsch nach Freiheit und dem Zwang, perfekt zu sein, hin- und hergerissen. Leistungsdruck, gesellschaftliche Erwartungen, überspitzte Schönheitsideale in den sozialen Medien und die Frage nach dem eigenen Wert werden offen gezeigt. So entsteht ein beklemmendes, zugleich aber fasziniertes Bild jugendlicher Lebensrealitäten.
Besonders eindrucksvoll sind die choreografischen Elemente. Das innere Chaos wird körperlich erfahrbar. Bewegungen, Licht, harte Klänge und ein pulsierender Herzschlag auf der Bühne lassen das Publikum spüren, wie nah Angst, Überforderung und Zusammenbruch beieinanderliegen. Das Stück wirkt stellenweise wie eine offene Therapiesitzung. Es ist intensiv, schmerzhaft und ehrlich. Es schmerzt, zuzusehen, wie Gedankenschleifen sich langsam lösen. Doch genau darin liegt die große Stärke der Inszenierung. Metamorphose erzählt vom schmerzhaften Loslassen alter Muster, vom Entblößen und vom Mut, sich selbst zu begegnen. Wer bin ich, wenn ich meine alte Hülle abgelegt habe? Was wartet hinter dem Neuen? Bin ich diesem Druck gewachsen? Diese Fragen stehen im Raum und bleiben teilweise unbeantwortet.
Auch Themen wie kulturelle Identität und Zugehörigkeit werden offen angesprochen. Sie entlarven die Scheinheiligkeit unserer Gesellschaft im Umgang mit Integration. Wer bin ich in Deutschland, wenn meine Wurzeln woanders liegen? Kann ich dazugehören, ohne mich selbst zu verlieren? Damit trifft das Stück den Nerv vieler junger Menschen. Sie stehen nicht zwischen zwei Welten. Sie tragen beide Welten in sich.
Der Theaterkurs verwandelt das Atrium in einen Ort permanenter Veränderung. Es ist ein Raum, in dem nichts stabil bleibt und jede Gewissheit infrage gestellt wird. Metamorphose ist kein sanfter Wandel. Es ist ein Bruch, ein Zittern, ein schmerzhafter Prozess des Werdens. Und ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist. Genau darin liegt seine große Wirkung. Wer zusieht, bleibt nicht unberührt.
Fazit:
Ein intensives, mutiges und tief bewegendes Theatererlebnis, das lange nachwirkt. Metamorphose zeigt, wie stark Schultheater sein kann – ehrlich, aktuell und emotional. Ein Stück, das nicht nur gesehen, sondern gefühlt werden will.
Heute, am Dienstag, den 24. Februar 2026, inszeniert der S4-Kurs das selbstentwickelte Stück Metamorphose erneut. Es beginnt um 18:00 Uhr im Atrium.
Eine Theaterkritik von Lisa Günther
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Fotos von Anke Buchholz.





