„Auf laut gestellt!“ – Bericht und zweite Aufführung am 25.03.2026 um 18 Uhr im Atrium
Herrlich entspannt beginnt die Inszenierung „Auf laut gestellt“ der S4 unter der Leitung von Antje Kirchbauer. Ein Pärchen bereitet ein gemeinsames Essen mit Freundinnen und Freunden aus alten Zeiten vor. Die Servietten sind nach Farben geordnet, ehemalige Schulfreunde treffen sich als junge Erwachsene. Der alkoholfreie Sekt knallt furios – die vegetarische Bolognese passt genau ins Bild – Achtsamkeit ist das Motto – Make love not war.
Angelehnt an den Film „Ein perfektes Geheimnis“ entspinnt sich im Theaterstück im Atrium ein ähnliches Spiel um Wahrheit und Pflicht – einmal auf andere Art und Weise dargeboten. Die Handys werden offen auf den Tisch gelegt; was in den nächsten Stunden hereinkommt, wird allen anderen vorgestellt. So gibt das Handygeklingel bald den Takt der Inszenierung vor, jeder Anruf und jede Message offenbart eine neue Dimension der jungen Protagonist*innen, die sich redlich abmühen, ein „cooles Erwachsenenleben“ zu führen. Aber niemand ist perfekt, die Fassade beginnt sehr schnell zu bröckeln. Und während man noch in nostalgischen Erinnerungen schwelgt, sich zudem fragt, ob man eigentlich alles richtig gemacht hat – eskaliert das gemeinsame Essen. Freundschaften werden in Frage gestellt, Abgründe wie Alkoholismus und Seitensprünge zeichnen ein anderes Bild des perfekten Lebens der Spieler*innen.
Die Inszenierung baut als Konversationsstück auf einen Schlagabtausch beim Essen, ähnlich einem Abendmahl sitzen die Akteure am langen Tisch und knallen sich die Statements um die Ohren. Eingebettet in die schicke Bubble der Großstadtmenschen legen diese ihre Verwundungen und ihr Scheitern dar. Im Raum steht bereits der Abschied – ein letztes Selfie mit allen Beteiligten – ein letzter toller Song – Stand by me – virtuos gesungen von Miriam Sahliger – doch leider hilft das alles nicht: Die jungen Erwachsenen fühlen sich von den gesellschaftlichen Anforderungen erdrückt – dieser Abend endet, wie er enden muss. Wer auf laut stellt, muss damit rechnen, die Wahrheit zu erfahren. Ein frischer Abend, der den Mut der Akteure zeigt, die sich mit Spielfreude sehr aktuellen Problemen stellen. Kurz und knackig.
Ein Bericht von Anke Buchholz
Impressionen der ersten Aufführung vom 24.03.2026.


Fotos: Anja Heiligtag



