Zukunftswelten

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Profil Zukunftswelten

ZukunftsWELTEN – Zukunft GESTALTEN

Die zentralen Herausforderungen unserer Zeit stiften zweifelsohne breite Verwirrung und ein gewisses Maß an Verunsicherung, nicht nur unter jungen Erwachsenen. Einerseits können die schiere Komplexität der vielfältigen Herausforderungen und deren interdependente Vernetzungen im alltäglichen Medienrausch nicht erfasst werden. Andererseits stürzt uns diese Unzulänglichkeit in Gefahr, uns einer tiefen Verunsicherung hinzugeben, welche die Entscheidungsfähigkeit hemmen und letztlich unsere Handlungsfähigkeit zutiefst einschränken kann.
Das Profil ZUKUNFTSWELTEN möchte diese zentrale persönliche Herausforderung, die sich im Rahmen der eigenen Positionierung innerhalb des benannten Problemkontextes ergibt, aufgreifen, um die Ohnmacht gegenüber wegweisenden Fragestellungen zu unterbinden. Durch die Verknüpfung der Fächer PGW (Politik/Gesellschaft/Wirtschaft), Biologie und Philosophie sollen zunächst drängende Fragen der Gegenwart und Zukunft analysiert und anschließend systematisiert werden. Die verschiedenen analytischen und methodischen Herangehensweisen der Naturwissenschaften einerseits und der Geisteswissenschaften andererseits versuchen indes ein Bild der tatsächlichen Komplexität zu etablieren und verhindern damit gleichzeitig, dass dem verlockenden Trugschluss einfacher, weil eindimensionaler, Antworten gefolgt wird. Die erlangten Kenntnisse befähigen folglich gerade durch die besondere Multiperspektivität, einen Überblick über komplexe Zusammenhänge, wie beispielsweise der Genetik, zu erlangen. Dieses Verständnis erlaubt den SchülerInnen, verantwortungsvolle Entscheidungen für die persönliche und gesellschaftliche Zukunft zu treffen, Tendenzen und Szenarien zu prognostizieren und es ermächtigt sie schließlich zum handelnden Subjekt innerhalb der tatsächlich komplexen gesellschaftlichen Realität.

Profilgebendes Fach PGW

„Das beste Argument gegen Demokratie ist eine fünfminütige Unterhaltung mit einem Durchschnittswähler.“
Winston Churchill, ehem. britischer Premierminister

„Je mehr direkte Entscheidungen durch das ganze Volk, umso unregierbarer das Land!“
Helmut Schmidt

„Die Demokratie ist nichts als das Niederprügeln des Volkes durch das Volk für das Volk.“
Oscar Wilde

Bei all dieser altbekannten und noch immer fortwährenden Demokratiekritik ist es durchaus verwunderlich, dass der aktuelle politische Diskurs und in der Tat das politische Handeln, der Kritik durch MEHR Demokratie begegnen möchte. Demokratische Beteiligung wird einerseits durch die wachsenden WutbürgerInnenmassen (PGW-sprech „informelle Beteiligungsformen“) vehement eingefordert, um das Gefühl des Niedergeprügeltseins zu überkommen. Die wachsende direkte Mitbestimmung wird aber auch von PolitikerInnen aller Couleur als Möglichkeit gesehen, hart umkämpfte politische Konflikte effektiver zu lösen und ihnen gleichzeitig mehr demokratische Legitimität zu verschaffen. Die Absenkung des passiven Wahlalters in Hamburg auf 16 Jahre und die Diskussion um die Ausweitung der Formen direktdemokratischer Beteiligung auf Bundesebene bringen zum Ausdruck, wie die Weiterentwicklung des Regierens in einem europäischen Mehrebenensystem demokratischer gestaltet werden soll.

Im profilgebenden Kurs PGW geht es genau um diese nachhaltige Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens zur gerechten Regelung von Konflikten, also um Politik. Es geht demnach um nichts anderes als die Frage, wie künftiges gesellschaftliches Zusammenleben demokratisch, legitim und/oder wirtschaftlich, effektiv gestaltet werden kann und das gerade in einer Zeit, die mehr demokratische Beteiligung und somit mehr Mitverantwortung in die Praxis umzusetzen sucht.
Demokratische Verantwortung soll so im Laufe des Seminars durch die Suche nach Antworten auf eben diese essentielle Frage trainiert werden, um im Verlaufe dieses 4-semestrigen intensiven Trainings die Kernkompetenz der politischen Urteilsfähigkeit auszubilden. Ein politisches Urteil setzt schließlich alle weiteren Fachkompetenzen der PGW-Didaktik voraus:
– die Analysefähigkeit anhand sozialwissenschaftlicher Methoden,
– die Perspektivenübernahme verschiedener Akteure, um Interessenskonstellationen zu verstehen,
– die Konfliktfähigkeit, um sich im Austausch mit anderen konstruktiv auf Lösungsansätze zu verständigen,
– die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit, die Möglichkeiten der Einflussnahme abwägt und anwendet
Die Ausbildung eines solchen, hoch komplexen politischen Urteils, das sich deutlich von den Pauschalentscheidungen des „Durchschnittwählers“ unterscheidet, bereitet nicht nur auf Entscheidungskompetenzen im späteren Berufsleben vor, sondern sie bildet in erster Linie demokratische BürgerInnen aus, die sich im Bewusstsein ihrer Möglichkeiten der Einflussnahme und Verantwortung eine demokratische politische Beteiligung angeeignet haben. In dem Maße in dem am Ende des Trainings die politische Urteilsfähigkeit SchülerInnen zur echten politischen Partizipation befähigt, werden sich die weisen Urteile der Politfachmänner (s.o.) als falsch erweisen.

Verdeutlichung der inhaltlichen Schwerpunkte und Möglichkeiten der außerschulischen Kooperation:
Wie können das gesellschaftliche Zusammenleben und die dabei entstehenden Konflikte angemessen geregelt werden?
1. Wer ist in welcher Form an politischen Problemlösungsprozessen beteiligt?
Es wird zunächst ein prozessuales Politikverständnis entwickelt, bei welchem Interessen und Einflussmöglichkeiten verschiedenster gesellschaftlicher Akteure aufgezeigt, analysiert und diskutiert werden. Der politische Problemlösungsprozess wird anhand von aktuellen Fallbeispielen wie beispielsweise den Herausforderungen und Lösungsansätzen zur Energieversorgung oder der Gentechnikproblematik untersucht und aus demokratietheoretischer Perspektive reflektiert.
Die Hamburger Bürgerschaft bietet beim Planspiel „Jugend im Parlament“ einen direkten Einblick in den politischen Entscheidungsprozess. Die SchülerInnen lernen bei der Ausarbeitung von konkreten Gesetzesentwürfen, beim Abstimmen und Reden im Plenarsaal sowie beim ständigen politischen informieren und diskutieren real praktizierten Parlamentarismus kennen. Darüber hinaus nehmen alle SchülerInnen an einem Rathausbesuch und einem Abgeordnetengespräch teil.

2. Wie können unterschiedliche gesellschaftliche Akteursgruppen angesichts knapper Ressourcen gesamtgesellschaftliche Lösungen finden?
Wenn Benjamin Franklin als Demokratie bezeichnet „wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen“, so wird in diesem Semester erörtert werden, wie es zu einer solchen Abstimmung kommen kann. Es wird also zu prüfen sein, inwiefern politische Konfliktregelungsmechanismen gegebene strukturelle Voraussetzungen der wirtschaftlichen, sozialen und normativen Ungleichheit adäquat kompensieren.
Eine Reise in das Zentrum politischer Prozesse Deutschlands soll dafür genutzt werden, politische Praxis vor Ort zu erleben, Institutionen kennenzulernen und einen Meinungsaustausch über die relevanten gesellschaftlichen Probleme mit Bundestagsabgeordneten zu führen.

3. Wie kann und soll wirtschaftliches Handeln durch den Staat beeinflusst werden?
Wesentliche wirtschaftliche Akteure, Strukturen und Prozesse werden in diesem Semester untersucht werden, um komplexe volkswirtschaftliche Prozesse am Beispiel der Finanz- und Wirtschaftskrise zu verstehen. Dabei kommt der Diskussion um eine ökonomisch, ökologisch und sozial angemessene Rolle staatlicher Akteure auf verschiedenen Ebenen eine besonders wichtige Bedeutung zu.
4. Inwiefern sind zwischenstaatliche Lösungen geeignet, um globale Probleme zu lösen?
Im letzten Semester werden die angeeigneten Problemlösungsansätze der innerstaatlichen Ebene auf inter- und transnationale Strukturen und Normen ausgeweitet. Es wird dabei hinterfragt, inwiefern bestehende Strukturen Möglichkeiten bieten, Konflikte innerhalb einer sich gegenwärtig ausbildenden Weltgemeinschaft zu lösen und welche Weiterentwicklungen innerhalb dieses Globalisierungsprozesses abzusehen und wünschenswert sind.

Profilgebendes Fach Biologie

„Erstaunen ist der Beginn der Naturwissenschaft.“
Aristoteles

„Es wäre eine Illusion, anzunehmen, daß das, was wir zur Zeit wissen, mehr ist als ein winziger Bruchteil der gesamten biologischen Realität. In praktisch jedem Bereich der biologischen Grundlagenforschung werden in immer kürzeren Zeitabständen noch genialere Konzeptionen und ein noch höherer Grad der Komplexität offenbar.“
Michael Denton (Arzt und Molekularbiologe)

In einer sich stetig und rapide ändernden Welt wird die Menschheit vor immer neue Herausforderungen, aber auch Chancen gestellt. Auf Grundlage der bestehenden Erkenntnisse und Inhalte werden wir uns in den Fachgebieten Genetik, Evolution und Ökologie vertiefend damit beschäftigen, welche Entwicklungen in der Zukunft zu erwarten sind.
Inwiefern ist der Mensch in der Lage, biologische Prozesse zu erkennen, Zusammenhänge zu begreifen und daraus Rückschlüsse für sein weiteres Tun und Handel zu ziehen? Basierend auf einem naturwissenschaftlichen Interesse sollen Themenbereiche miteinander vernetzt, sowie fachübergreifende Einflüsse bzw. Abhängigkeiten verdeutlicht werden.

1. Genetik
In der Genetik werden wir uns neben der klassischen und molekularbiologischen Genetik vertiefend mit den Erkenntnissen der Humangenetik auseinandersetzen. Die zunehmende Entschlüsselung des genetischen Codes findet in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens seine Anwendung. Sei es bei der Aufklärung von Kriminalfällen, der Entschlüsselung von Krankheiten, der Pränataldiagnostik oder der Rekonstruktion von Familienverhältnissen.
In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg wird jeder Schüler seinen eigenen genetischen Fingerabdruck erstellen und damit einen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten bekommen. Die Möglichkeit genetische Informationen zu verändern und damit Lebewesen besondere Eigenschaften anzueignen, findet immer stärkeren Einzug in der Lebensmittelindustrie. Mit dem Ziel eines höheren Ertrages oder einer höheren Widerstandfähigkeit werden Lebewesen nachhaltig genetisch verändert. In diesem Zusammenhang werden wir uns damit beschäftigen, wie diese genetischen Veränderungen vorgenommen werden und welche Chancen bzw. Risiken von gentechnisch veränderten Lebewesen ausgehen.

2. Evolution
„Was macht Evolution aus?“ „Wie entstanden oder entstehen neue Arten?“ „Welche Prozesse sind für die heute „noch“ bestehende Biodiversität verantwortlich?“ „Warum ist die Evolution im Prinzip ein unendlicher Prozess?“
Evolutive Prozesse sind äußerst komplex und oft nur rückwirkend zu verstehen. Die Mechanismen der Evolution müssen zuerst beleuchtet werden, um ein grundlegendes Verständnis für die Evolution zu entwickeln. Mit Hilfe der unterschiedlichen Theorien und wissenschaftlichen Erkenntnisse wird veranschaulicht, wie es zu so einer biologischenVielfalt kommen konnte und warum Evolution eigentlich niemals endet. Unter Berücksichtigung evolutiver Mechanismen wird die Hominidenevolution beleuchtet, sowie die Frage – „Wie sieht die weitere Evolution des modernen Menschen aus?“.

3. Ökologie
Die Ökologie ist ein äußerst komplexes und aufregendes Gebiet der Biologie und darüber hinaus von entscheidender aktueller Bedeutung. Die Ökologie kann uns ein Grundverständnis dafür geben, wie die Wechselbeziehungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt funktionieren und wie wir mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten umgehen sollen. Ökologie und Evolutionsbiologie sind eng miteinander verflochten und verdeutlichen die Komplexität biologischer Prozesse. Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse sollen aktuelle Tendenzen bewertet und Zukunftsszenarien, sowie mögliche Lösungswege, entwickelt werden.

Profilbegleitendes Fach Philosophie

Das Fach Philosophie ist mit 2 Wochenstunden am Profil beteiligt und versucht sich soweit es die Verpflichtungen gegenüber dem Zentralabitur es zulassen an den Inhalten des Faches PGW und auch Biologie zu orientieren. Hierzu bieten sich vor allem solche Themenbereiche der Philosophie an, die gleichzeitig von aktueller gesellschaftlicher Relevanz sind.

Im ersten Semester der Oberstufe geht es um staatsphilosophische Grundlagen und ihre Anwendung bei den drängenden Fragen der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung, vor allem in Fragen der Bioethik und des Zusammenpralls verschiedenster Kulturen im Einwanderungsland Deutschland.

Das zweite Semester stellt die Frage nach der Willensfreiheit des Menschen und untersucht die Konsequenzen die sich aus dem einen oder anderen Menschenbild ergeben. Auch wird sich hier die Frage nach dem Einfluss der Sprache auf „unsere wahrgenommene Welt“ stellen.

Im dritten Semester beschäftigt sich der Kurs mit dem Leib-Seele-Problem und der Frage nach unserer Erkenntnisfähigkeit, gerade auf einem solch unwegsamen Gelände wie es unser Geist ist. Wir werden analysieren, wie Philosophie und Wissenschaft eine gewisse Einsicht in dieses Gelände erlangen.

Das vierte Semester steht im Zeichen des Konstruktivismus und seiner Erzeugnisse wie Menschenrechte, der so genannten „Realität“, Weltanschauungen und der Suche nach Sinn. Als eine Antwortmöglichkeit auf die Frage nach dem Sinn wird der Existenzialismus behandelt.

Geeignet für die Philosophie in der Oberstufe sind alle Schüler, die gerne differenziert und kritisch Denken, in der Lage sind philosophische Texte zu analysieren und sich gerne über philosophische Fragestellungen mit anderen austauschen und in solchen Diskursen in der Lage sind sich auf die Gedanken anderer zu beziehen. Für Schüler, die in den Jahren zuvor niemals Philosophieunterricht hatten, ist es erfahrungsgemäß schwierig – aber keinesfalls unmöglich – sich in die typischen Denk- und Arbeitsweisen des Faches einzufinden.