Detlev von Liliencron

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Während der "Umbauarbeiten" finden Sie hier einige Hintergrundinformationen zu Detlev von Liliencron sowie Links zu einigen seiner Werke.


Detlev von Liliencron gilt als der bedeutendste Vertreter des Literarischen Impressionismus in Deutschland.

Auf dieser Seite informieren wir über Leben und Werk des Dichters, der seine letzten Lebensjahre von 1901 bis 1909 in Alt-Rahlstedt verbracht hat.

Wir beginnen mit einigen Internet-Links zu Seiten, auf denen Sie weitere Informationen zum Thema Liliencron finden. Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern:





Ein Lexikonartikel zu Detlev von Liliencron: "Ausgewählte Gedichte"

In einem Brief vom 10. Mai an Axel Juncker schreibt Rainer Maria Rilke: "Der englische Dichter Fred G. Bowles bereitet eine sehr sorgfältig gewählte Anthologie von übersetzten deutschen Gedichten vor, die Verse von: Nietzsche, Liliencron, Dehmel, Holz, Mombert, Dauthenday, George, Hofmannsthal, Rilke - enthalten wird." Als ein legitimer Repräsentant der deutschsprachigen Moderne seit Nietzsche wird Detlev von Liliencron von Rilke, der Liliencron außerordentlich geschätzt hat "denn er ist mir lieb und wir haben uns oft herzlich und nah berührt"-, hier angeführt. Auf diese literarische Konstellation der Jahrhundertwende hat man denn auch das lyrische Werk Liliencrons zu beziehen: Seine Gedichte erwachsen aus dem Spannungsfeld von Naturalismus und "Neuromantik", sie stehen in der Tradition von Nietzsches pessimistischer Kulturkritik wie in der von Arno Holz propagierten "Revolution der Lyrik" und eingewirkt haben sie auf den jungen Rilke ebenso wie auf Hofmannsthal, aber auch, was gerade die Gedichte betrifft, in denen die moderne Lebenswelt thematisiert wird, auf die frühen Expressionisten. Liliencrons bis heute nicht selten als "epigonal" abgetanes lyrisches Werk ist spannungsreich, Ungenügendes steht neben Gelungenem, und eindeutig zu rubrizieren unter eine der literarhistorischen Stilhaltungen zwischen Naturalismus und Expressionismus ist es nicht. Die vielfach anzutreffende Charakteristik "literarischer Impressionismus" greift denn auch zu kurz.

"Mit fünfunddreißig Jahren schrieb ich mein erstes wirkliches Gedicht und blieb bis heute Verseschreiber", vermerkt Liliencron 1900 in einer "Autobiographischen Skizze". Die erste veröffentlichte Gedichtsammlung, zugleich Liliencrons erste eigenständige Publikation, erschien unter dem Titel "Adjutantenritte und andere Gedichte" 1883, sechs Jahre später nach einigen Dramen und Prosaversuchen eine weitere Sammlung Gedichte (1889), es folgten "Der Haidegänger und andere Gedichte" (1890), "Neue Gedichte" (1893) und die "Gesammelten Gedichte" (3 Bde., 1897-1900). Zwischen 1904 und 1908 erschienen Liliencrons "Sämtliche Werke in 15 Bänden", 1909 aus dem Nachlaß der Gedichtband "Gute Nacht. Literarischer Nachlaß".

Die Naturalisten hatten in Liliencron einen der Ihren gesehen, seinen ersten Band, "Adjutantenritte und andere Gedichte", der neben Gedichten lyrische Prosa enthält, hatten sie als Beispiel einer neuen lyrischen Kunst begrüßt. Doch bereits diese Sammlung hat einen eigenen lyrischen Ton, der Liliencron von der gekünstelten Klassizität des Münchner Dichterkreises um Emanuel Geibel (1815-1884) und Paul Heyse ebenso trennt wie von den naturalistischen Anfängen des um fast zwanzig Jahre jüngeren Arno Holz, dessen Sammlung "Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen" (1886) von Liliencron enthusiastisch aufgenommen wurde bei allen politischen Unterschieden: "Eine neue Epoche. Ich fühl's in jeder Fiber. Und ich marschiere mit. Die politische Geschichte geht mich daran nichts an, ich bleibe Royalist bis zum letzten Atemzuge . . ." Doch im Gegensatz zu den Naturalisten ist Liliencrons frühe Lyrik bereits sensibler, er reagiert auf die moderne Lebensumwelt mit einer Synästhesie, in der sich die verschiedenen Sinneseindrücke vermischen und literarisch umgesetzt werden. Seine ersten publizierten Gedichte zeigen auch schon den Formenreichtum und die souveräne Anverwandlung der verschiedensten und schwierigsten Vers und Gedichtformen, mit denen Liliencron immer wieder experimentierte: Triolette, Rondeau, Ritonell, Siziliane und Ghasel. So verwundert es nicht, daß Liliencron sich an Mörike, Lenau, Platen und Eichendorff schulte, ohne daß er wenn auch nicht durchgehend in die epigonale Gefühlskälte des Münchner Dichterkreises verfiel. Sein lyrischer Stil ist eine "imitatio" seiner inneren Stimmungen, was strenger Formgebung nicht zu widersprechen braucht. In dem Gedicht "Den Naturalisten", mit dem er eine Distanzierung von der naturalistisch Lyrik eröffnete, gibt Liliencron einen Hinweis auf die Bedingungen seiner Dichtkunst: "Humor und die feinste Künstlerhand." Der Humor und ein ironischer Ton in der Tradition Heinrich Heines trennen ihn denn auch von den Naturalisten ebenso wie von einem ästhetizistischen l'art pour l'art. Zwar ist der verarmte Freiherr von Liliencron, der in den verschiedensten Berufen immer nur vorübergehend tätig war und sein Amt als Verwaltungsbeamter in Kellinghusen (Holstein) 1887 aufgrund seiner ständigen Schulden aufgeben mußte, nicht frei von einem aristokratischen Habitus. Doch mit Ästhetisierung des Lebens hat seine künstlerische Haltung kaum etwas gemein, auch wenn sich Liliencron durch die Kunst eine eigene künstlerische Gegenwelt zu schaffen versuchte. Wo er sich mit den Ästheten allerdings traf ist in der Abneigung gegen das Bürgertum seiner Zeit, dessen Gründerzeitpomp und Gartenlaubenromantik, wenngleich diese Opposition verwurzelt blieb in seinem Bekenntnis zum Kaiser wie zum "Vaterland".

Liliencrons Bitterkeit, die auch aus ständigen Geld und Existenzsorgen resultierte der "Hunger", so der Titel eines seiner Gedichte, war ihm nicht fremd -, mündete schließlich in einem in der Tradition Nietzsches stehenden Kulturpessimismus. Kritik an der Moderne läßt sich an vielen Gedichten, beispielhaft an dem Gedicht "Auf einem Bahnhof", ablesen. Als Diagnostiker seiner Zeit, der vieles von dem vorwegnahm, was die Expressionisten dann formulierten, bleibt Liliencron noch zu entdecken. Dies gilt insbesondere für die Gedichte, in denen die Großstadt zum Sujet wird. In dem Gedicht "Broadway in New York" - Liliencron hielt sich nach einem Abschied aus der Armee zwischen 187577 in Amerika auf - empfindet das lyrische Ich in der "Riesenstadt" Grauen und Ratlosigkeit. Aus dem Gedränge, "all dem Schreien, Stoßen, Fluchen, Treiben", flieht er in eine imaginierte Idylle. Sie ist der einzige Halt; inmitten einer romantisierten Landschaft fern der "großen Straßen" erhofft er die zerbrochene Einheit von Ich und Gesellschaft wieder zu gewinnen. In Liliencrons Naturlyrik erscheinen so Natur und Landschaft fast durchgehend als ein Fluchtort. Doch die erhoffte Harmonie ist nie von Dauer, sie bleibt ein "kurzes Glück" wie in den Gedichten "Märztag" oder "Einen Sommer lang". Die daraus erwachsende Melancholie, mit allen tradierten Topoi melancholischer Lyrik, hat Liliencron immer wieder zum Sujet seiner Gedichte gemacht "Im Zeichen des Todes", so ein Gedichttitel, blieb ihm die Sehnsucht nach einem gelungenen Leben der einzige Halt und half zu verhindern, daß er nicht endgültig resignierte und verstummte. Aus der individuell erfahrenen Spannung zwischen einem humanen Ideal und der Realität seiner als deklassiert empfundenen Künstlerexistenz erwuchs sein Sensorium für die gesellschaftliche Entfremdung der Einzelnen, die er getrieben sah von einer "unersättlich großen Gier / Nach Gold auf alle Fälle Geld zu machen" ("Broadway in New York").

Liliencron hat das Unbehagen an der Moderne existentiell durchlitten, sein Zweifel an den Möglichkeiten der Kunst resultierte daraus. So wenig wie er an das Fortleben seiner Gedichte glauben konnte, und eine Wirkung auf ein größeres Publikum haben seine Gedichte nach seinem Tod tatsächlich auch kaum gehabt , so wenig konnte er an den Sinn der Lyrik im allgemeinen noch glauben. In seiner "Autobiographischen Skizze" (1900) heißt es: "Alle Deutschen schreiben Verse, kein Deutscher liest sie. Warum auch. Unsere Zeit ist wahrlich nicht dazu angetan, Gedichte zu lesen. Niemals ist die Dichtkunst so 'herunter', wie jetzt; womit ich sagen will, daß niemals ein Gedicht weniger galt als heute." Auch aufgrund dieses Bewußtseins von einer umfassenden Krise der Kunst am Beginn des 20. Jh.s gehört Liliencron in die von Rilke beschworene Reihe der deutschsprachigen Repräsentanten der Moderne.

(Kindlers Neues Literaturlexikon, Kindler Verlag, München)






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